„Aus Büchern und Karten ist bekannt, dass Kolka der abgelegenste Platz unserer Heimat ist. Es liegt weit von allen großen Verkehrswegen entfernt. Ebenso ist bekannt, dass der Boden dort sandig oder sumpfig und mit Wald bedeckt ist. Es leben dort wenige Menschen, im Durchschnitt nicht mehr als drei pro Quadratkilometer, vorwiegend direkt am Meer, und sie betreiben fleißig Fischerei. Die Leute in Kolka leben mit dem Gesicht Meer und dem Rücken dem Innenland zugewandt. Unter ihnen lebt auch, abgeschieden hinter den Wäldern am Meer, die Handvoll Liven, die in diesem Land noch erhalten sind. An den Blauen Bergen befindet sich der fast einzige Platz in Lettland, wo die Europäische Eibe wächst. Also ist die Ecke von Kap Kolka wegen der Liven und der Eiben ein besonderer Ort.”

So hat der Schriftsteller Wilis Weldre Kap Kolka und seine Bewohner auf seiner Heimatbereisung erlebt. Auch heute noch könnte seine Reisebeschreibung als Einleitung für einen Reiseführer durch Kurland zu seinem abgelegensten Platz Kolka dienen. Nicht viel hat sich geändert. Nur die Wege, die zu uns führen, sind jetzt breiter und besser zu befahren; die Großstadt Riga scheint deshalb näher gerückt zu sein. Weiterhin leben hier die Nachkommen der Liven, wissend um ihre Zugehörigkeit und unter Bewahrung ihres ethnischen Erbes. Sie haben dem Meer nicht den Rücken gekehrt. Die Männer gehen fischen und die Frauen bearbeiten den Fang. Weiterhin leben hier nur wenige Menschen und die Eiben an den Blauen Bergen grünen immer noch.

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Recht haben auch die gewissermaßen, die Kolka als eine „weite Ecke” verstehen: Leitet sich doch der Name Kolka von den estnischen Worten „kolgas” und „kolk” und dem finnischen Begriff „kolkka” ab, die alle auf Deutsch „Ecke” bedeuten. Die Ortsbezeichnung Kolka taucht erst im 18. Jahrhundert auf. Bis dahin trug die Ortschaft den Namen Domesnes, gegeben von skandinavischen Seeleuten und bedeutend die „große Nase von Thomas”.

Zum ersten Mal wurde Kolka im Jahre 1387 erwähnt, unter seinem alten Namen Domesnes. Im Jahr 1811 hatte Kolka 8 Ortsteile mit insgesamt 105 Einwohnern; 1826 waren es 9 Ortsteile mit 99 Einwohnern; 1859 gab es 15 Ortsteile mit 316 Einwohnern; und 1896 schließlich 32 Ortsteile mit 392 Einwohnern.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann mit dem wirtschaftlichen Aufschwung das Wachstum Kolkas. Das Dorf nahm eine wichtige Position ein am Treffpunkt des Großen und des Kleinen Meeres (der Rigaer Bucht). Bedeutendste Bauten jener Zeit sind der Gutshof, die lutheranische Kirche, die orthodoxe Kirche, Gebäude für das Leuchtturmpersonal, sowie das Gebäude des Grenzpostens nahe dem alten Leuchtturm, der bis 1874 direkt am Kap Kolka stand.

Nach dem ersten Weltkrieg zählte Kolka 27 Ortsteile. In der nachfolgenden Zeit der (ersten) lettischen Republik wuchs die Zahl der örtlichen Grundbesitzer auf 90.

Der Zweite Weltkrieg und die darauf folgende Sowjetzeit haben das Gesicht Kolkas stark verändert. Nach dem Krieg wurden entlang der Küste von Ventspils bis Kolka sowjetische Truppen stationiert. Jede zivile Entwicklung wurde eingestellt. In Kolka selbst entstand ein bedeutendes Fischverarbeitungszentrum, bestehend aus einer Fabrik und zugehörigen Wohnhäusern. Hieraus haben sich seither örtliche Fischverarbeitungsunternehmen entwickelt, die vielen Einheimischen Beschäftigung bieten.